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Die Verdrängung des Völkermords an den Armeniern - ein Signal für die Shoah |
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Mittwoch, den 16. Februar 2011 um 20:54 Uhr |
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Als der Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs in seine Endphase ging, löste die türkische Regierung - am 1. August 1916 - das armenische Patriarchat in Istanbul (das damals noch offiziell Konstantinopel hieß) auf und schaffte dessen Institutionen ab. Der in der deutschen Botschaft in Konstantinopel für die armenischen Angelegenheiten zuständige Generalkonsul Johannes Heinrich Mordtmann verfaßte daraufhin ein längeres Elaborat über die Beseitigung des großen Volksrats der Armenier und der von den Armeniern ausgearbeiteten Verfassung. ”Diese Verfassung” führte Mordtmann aus, ”entsprach dem ultrademokratischen Geiste, der von jeher unter den gregorianischen Armeniern geherrscht hatte.“[1] Was ein großes Lob zu sein schien, war in Wirklichkeit ein strenger Tadel.
Die Wertvorstellungen der Armenier - und des Westens - waren den Deutschen des Ersten Weltkriegs völlig fremd. „Enorme ideele Gegensätze zwischen uns und Westeuropa“, hatte Kurt Rietzler, Berater des Kanzlers Theobald von Bethmann Hollweg ausgemacht.[2] „Während am Anfang die Französische Revolution noch als Ausdruck eines typisch germanischen Freiheitsstrebens gedeutet werden kann“; so der deutsche Skandinavist Klaus von See in seinem richtungsweisenden Buch „Freiheit und Gemeinschaft“, „steht am Ende die völlige Entfremdung von den westeuropäischen Völkern und die Deutung der Französischen Revolution als Ausdruck eines durch und durch ungermanischen, gleichmacherischen Demokratie-Begriffs.“[3] „Freiheit durch Ordnung“, nannte Rietzler die deutsche Vatiante. Den westlichen Werten Zivilisation, Demokratie und rationale Politik stellte Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann die deutschen Werte Musik, Dichtung und Philosophie gegenüber.
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„Verständnislose Auswüchse des Militarismus“ |
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„Sie bietet sich ja direkt an!!!“, schrieb ein erstaunter Kaiser Wilhelm II an das Telegramm seines Konstantinopler Botschafters Hans Freiherr von Wangenheim. „Sie“, das war die Türkei, die um ein Bündnis mit Deutschland bettelte. Der Kaiser befahl, Wangenheim „soll den Türken sich in Bezug auf 3bund [Dreibund] unbedingt klar entgegenkommend äußern und ihre Wünsche entgegennehmen“. Denn: „Wir dürfen hier unter gar keinen Umständen abweisen.“[1]
Das war kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Türkei als Kriegspartner strebten die deutschen Politiker gar nicht an. Noch am 13. Mai 1914 schrieb der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Gottlieb von Jagow seinem Botschafter, er glaube nicht, „daß die Türkei je wieder aktions- und bündnisfähig werden kann.“[2] „Wegen ihrer schlechten Armeeverhältnisse“, erläuterte er kurz darauf, „könne die Türkei für die nächsten Jahre nur als passiver Faktor angesehen werden. Zu einer aggressiven Haltung gegen Rußland wäre sie außer Stande“.[3] Dem stimmte Wangenheim zu: „Die Türkei ist zweifellos heute noch vollkommen bündnisunfähig, sie würde ihren Verbündeten nur Lasten auferlegen, ohne ihnen die geringsten Vorteile bieten zu können.“[4]
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Der Fall des Rupen Tschilinguirian während des Völkermords an den Armeniern 1915/16 |
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Samstag, den 05. Februar 2011 um 20:55 Uhr |
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Rupen Tschilinguirian war einer der am 24./25. April 1915 in Konstantinopel verhafteten Armenier der intellektuellen Elite seines Volkes. Er war in erster Linie Arzt, schrieb nebenbei auch Gedichte und Prosa. Nach den Unterlagen des deutschen Auswärtigen Amts war er nicht Mitglied einer armenischen politischen Partei oder Gruppierung und hatte sich generell politisch nicht betätigt.
Tschilinguirian war seit 1910 verheiratet mit der Deutschen Helene Maria Anne (genannt Janni) geb. Apell, mit der er zwei Kinder hatte. Die Eltern der Frau Tschilinguirian-Apell lebten in Lausanne/Schweiz. Sein Schwiegervater hatte in der deutschen Armee gedient und war Leutnant der Reserve außer Diensten. Er hatte gute Beziehungen zu deutschen Diplomaten, über die er Druck zu machen versuchte, um das Schicksal von Rupen Tschilinguirian zu erkunden.
Rupen Schilinguirian war angeblich Ende August 1915 bei einer Reise von seinem Deportationsort Tschangri nach (möglicherweise) Angora von Wegelagerern überfallen und getötet worden. Informationen seiner Frau, daß er noch später lebend gesehen worden war, erwiesen sich nach Recherchen der deutschen Botschaft in Konstantinopel als falsch.
Nach den Informationen der deutschen Botschaft waren vier der zwölf Wegelagerer zwar festgenommen worden, doch über einen Prozeß oder irgendwelche Maßnahmen gegen sie geht aus den Akten der deutschen Botschaft nichts hervor.
Obgleich die ehemals deutsche Frau von Rupen Tschilinguirian als auch seine Schwiegereltern lange Zeit versuchten, Details über das genauere Schicksal Tschilinguirians herauszubekommen, blieben ihre Bemühungen erfolglos. Die Akten der deutschen Botschaft belegen, wie schwierig es selbst für die verbündeten Deutschen war, ein Einzelschicksal aufzuklären. Sie belegen allerdings auch, daß die deutschen Diplomaten keinen sonderlichen Druck auf die türkische Regierung ausübten. |
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“Eine tatsächlich Öffnung des türkischen Staates steht noch aus” |
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Freitag, den 01. Oktober 2010 um 01:00 Uhr |
Seyhan Bayraktar: Politik und Erinnerung. Der Diskurs über den Armeniermord in der Türkei zwischen Nationalismus und Europäisierung. Transcript Verlag Bielefeld, August 2010, 314 S., kart. 29,80 €, ISBN 978-3-8376-1312-4.
Eine deutliche Mehrheit der Türken entschied sich im September 2010 für eine gründliche Revision der Verfassung. Wenn nicht alles täuscht, wird der Strafparagraph 301, nach dem „Personen, die das Türkentum, die Republik oder die Große Nationalversammlung offen erniedrigen", bis zu drei Jahren Gefängnis verurteilt werden können, diese Revision zumindest in seiner derzeitigen Form nicht überstehen. Ursprünglich war die Erwähnung des Völkermords an den Armeniern expressis verbis im Gesetzestext als Straftatbestand verankert, wurde dann aber mit Rücksicht auf die Verhandlungen mit der Europäischen Union über einen Beitritt wieder gestrichen.
Der Völkermord an den Armeniern ist trotzdem noch immer das größte Tabu der offiziellen Türkei. Die Geschichte des Umgangs mit diesem politischen Reizthema in den letzten Jahrzehnten und belegt mit Beiträgen der bedeutendsten türkischen Tageszeitungen, ist das Thema eines Sachbuchs, das alle wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt und sich dennoch wie ein Krimi liest: Seyhan Bayraktars als Buch erschienene Dissertation „Politik und Erinnerung. Der Diskurs über den Armeniermord in der Türkei zwischen Nationalismus und Europäisierung".
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AUS DER VERANTWORTUNG FÜR DEN GENOZID GESCHLICHEN – DAS AUSWÄRTIGE AMT WEICHT PARLAMENTARISCHEN ANFRAGEN SCHLICHT AUS |
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Donnerstag, den 24. Juni 2010 um 01:00 Uhr |
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Vielleicht lag es daran, daß die Linkspartei es war, die in einer Kleinen Anfrage nach dem Völkermord an den Armeniern 1915/16 fragte. Die Antworten des Auswärtigen Amt waren jedenfalls noch bedeutungsloser als die des kaiserlichen AA-Staatsekretärs im Ersten Weltkrieg, Friedrich Zimmermann, gegenüber den damaligen Reichstagsabgeordneten mitten in der strengsten Zensur, die Deutschland je hatte. Mehr noch: Fast ein Jahrhundert Forschung über dieses Thema ist im deutschen Außenamt ganz offensichtlich noch nicht angekommen, jedenfalls nicht bei ihren hohen FDP-Vertretern.
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