| Die Kurden und der Völkermord an den Armeniern - Einige Stellungnahmen von kurdischen Politikern und Autoren |
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| Donnerstag, den 14. Juli 2011 um 09:26 Uhr | ||||||
Seite 1 von 3 Eine offene und kritische Auseinandersetzung über den Völkermord an den Armeniern wird inzwischen in der Türkei nicht mehr so rigoros verhindert, wie es früher der Fall war. In den vergangenen Jahren sind dort zahlreiche Bücher und Artikel über die Armenier und den Völkermord veröffentlicht worden, die nicht der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung entsprechen. Im April 2011 z.B. hielt Prof. Halil Berktay anlässlich des Jahrestags des Völkermords einen Vortrag in Hamburg, wo er ganz nebenbei bemerkte, dass die „Creme de la Creme“ der türkischen Wissenschaftler das Verbrechen an den Armeniern als Völkermord im Sinne der UN-Konvention betrachten. Viele sprechen dies nicht offen aus, weil sie sich vor den nationalistischen Extremisten fürchten oder einfach nur deshalb nicht, weil sie Angst haben, ihren Arbeitsplatz an einer staatlichen Bildungseinrichtung zu verlieren. Auch wenn bei vielen Wissenschaftlern und Intellektuellen allmählich die Einsicht sich durchsetzt, dass die Faktizität des Völkermords nicht geleugnet werden kann, sieht dies in der türkischen Bevölkerung ganz anders aus. Die staatliche Leugnungspolitik wird fortgesetzt und bestimmt die Meinungsbildung. Von einer wirklich uneingeschränkten, offenen Auseinandersetzung kann man noch nicht sprechen.
Im Gegensatz zur türkischen existiert unter der kurdischen Bevölkerung eine deutliche Bereitschaft, sich mit der Völkermordfrage auseinanderzusetzen. Die Ablehnung der offiziellen Geschichtsthesen ist bei ihnen weit ausgeprägter. Seit Gründung der Republik werden den Kurden grundlegende, nationale und kulturelle Rechte verweigert, in Dersim wurden sie 1937/38 Opfer eines Völkermords. In den vergangenen dreißig Jahren wurden tausende von kurdischen Dörfern niedergebrannt, Millionen von Kurden wurden aus ihrer Heimat gewaltsam vertrieben. Die Zahl der von den türkischen Streitkräfte und staatlich gelenkten Paramilitärs ermordeten kurdischen Zivilisten wird vermutlich nie ermittelt werden können. Ein Kurden, der in einem Armenviertel in einer westanatolischen Stadt lebt, weil sein Dorf von der türkischen Armee niedergebrannt wurde, oder der jahrelang im Gefängnis verbracht hat, weil er sich für die Respektierung der nationalen und kulturellen Rechte seines Volkes eingesetzt hat, kann aus eigener bitterer Erfahrung mit der Politik des türkischen Nationalismus eher nachvollziehen, was den Armeniern während der Jahre des Völkermords wiederfahren ist. Kurden und die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern Wenn die Leugnungspolitik der Türkei und die Mauer des Schweigens um den Völkermord heute immer mehr ins Wanken geraten, dann ist dies nicht nur auf die internationale Anerkennung und dem Einsatz der Armenier in der Diaspora zurückzuführen. Es ist auch kein Verdienst der türkischen Zivilgesellschaft, die bis heute leider noch sehr schwach ist. Dass es zu einer Auseinandersetzung mit der Völkermordfrage innerhalb der Türkei gekommen ist, hängt vielmehr mit dem Erstarken der kurdischen Nationalbewegung zusammen. Die Notwendigkeit sich der Völkermordfrage, der kurdischen Frage und anderen Tabuthemen des türkischen Staates zu stellen, wurde unumgänglich. Das kurdische Exilparlament erkannte den Völkermord an den Armeniern und Syrern/Assyrern im April 1997 an und erklärte zugleich, dass sich die aus Angehörigen von Kurdenstämmen rekrutierten Hamidiye-Regimenter als Kollaborateure der türkischen Regierung an dem Verbrechen beteiligt hätten.[1] Abdullah Öcalan, der inhaftierte Vorsitzende der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) gratulierte am 10. April 1998 in einem Brief Robert Kocharian zu seinem Sieg bei der armenischen Präsidentschaftswahl und ging dabei auch auf die Völkermordfrage ein. Er begrüßte die Resolution des belgischen Senats, in der die türkische Regierung aufgefordert wurde, den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen. Öcalan betonte zugleich die Notwendigkeit einer umfassenden Debatte und Analyse der Hintergründe des Verbrechens. Bereits 1982 nannte das Zentralorgan der PKK die Vernichtung der Armenier einen Völkermord. Verantwortlich dafür sei das jungtürkische Regime: „In einer Periode, wo sich die Völker vom Osmanischen Reich loszulösen versuchten, machte die bürgerlich-nationalistische Bewegung der Jungtürken die Verteidigung der „Einheit und Unteilbarkeit“ des Reiches zur Grundlage ihres Programms. Damit stellten sie sich gegen das demokratische Recht der unterdrückten Völker auf Selbstbestimmung. (…) Sobald die Jungtürken an die Macht gelangten, nahm unter ihrer Herrschaft die Unterdrückung der Völker weitaus schlimmere Ausmaße an, als es vorher der Fall war. Sie versuchten das Selbstbestimmungsrecht der Völker gewaltsam zu unterdrücken und scheuten auch nicht davor zurück, einen barbarischen Völkermord an den Armeniern zu verüben.“[2] Während des 1. Weltkriegs hat das jungtürkische Regime „über eine Million Armenier durch einen Völkermord vernichtet“, schrieb das Parteiorgan.[3] Andere kurdische Organisationen haben ebenfalls den Völkermord anerkannt. „Unser Partei-Kongress verurteilt den großen Völkermord an den Armeniern 1915 als einen schwarzen Fleck in der Geschichte der Menschheit. Unser Kongress erkennt an, dass dieses blutige Vorgehen, an dem sich die kurdischen Feudalherren als Kollaborateure der osmanisch-türkischen Kolonialisten beteiligt haben, ein historisches Unrecht darstellt“, heißt es im einem Beschluss des Parteikongresses der PRK/Rizgari. Die Nachfahren der Überlebenden des Völkermords hätten das Recht, in die alten Siedlungsgebiete zurückzukehren. [4] In kurdischen Publikationen erscheinen regelmäßig Artikel anlässlich des Jahrestags des Völkermords. Der kurdische „Zel Verlag“ veröffentlichte 1994 in Istanbul das Werk von M. Kalman unter dem Titel „West-Armenien, kurdische Beziehungen und Genozid“. Bemerkenswert ist, dass ein kurdischer Autor von West-Armenien spricht und nicht wie sonst üblich von Nord-Kurdistan. Ein weit umfangreicheres Werk ist das von Recep Marasli geschriebene und 2008 in der Türkei veröffentlichte Buch „Die armenische national-demokratische Bewegung und der Völkermord von 1915“.[5] |
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Termine
19. Mai 2012 ab 17:00 Uhr
Gedenkveranstaltung an die Opfer des Genozids an den Pontosgriechen 1916-1923
Vortrag von Dr. Tessa Hofmann
Ort: Gesamtschule Ronsdorf, An der Blutfinke 70, 42396 Wuppertal
Veranstalter: Kulturverein der Griechen aus Pontos in Wuppertal und Umgebung
19. Mai 2012 ab 16:00 Uhr
Schweigemarsch anlässlich des Gedenktages des Völkermords an den Pontos-Griechen
Start: Wilhelmsplatz 10, 70182 Stuttgart
Ziel: Kranzniederlegung am Stauffenbergplatz am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus
Ankündigungsflugblatt der Veranstalter >>
10. Mai bis 24. Juni 2012
„Der vergessene Völkermord“
Austellung mit Aufnahmen, die Armin T. Wegner von der Vertreibung und den Morden an den Armeniern machte
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Steinstraße 50, Dortmund
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr
Eintritt ist frei!
Ohne Kommentar
„Der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) hat den Veranstaltern des Steiger Award eine machtvolle Demonstration der Empörung versprochen“ (ZAD-Info, 15.03.2012)











