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Brief einer Schülerin aus Berg-Karabach an den Präsidenten der Republik Azerbaidschan PDF Drucken E-Mail
Montag, den 15. August 2011 um 15:29 Uhr

Sehr geehrter Herr Präsident,

es schreibt Ihnen Adelina Awagimyan, eine Schülerin aus Berg-Karabach.

Meine Absicht, Ihnen einen Brief zu schreiben, habe ich keinem verraten. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich schreiben soll oder nicht? Ich habe mich dazu entschschlossen, zu schreiben.

Ich wurde geboren und lebe in der Stadt Stepanakert. Mein Land liebe ich sehr, denn Karabach ist meine Heimat, hier bin ich geboren worden und hier lebe ich. Hier sind meine Mutter und mein Vater geboren worden, auch meine Großmütter und meine Großväter. Deren Großväter und Großmütter sind ebenfalls hier geboren worden (vermutlich wissen Sie, dass in früheren Zeiten, als unser Land einer der Provinzen Armeniens war, den Namen Arzach trug). Ich habe viele Freunde und sie lieben ihre Heimat genauso wie ich... Ihnen, Herr Präsident, möchte ich aber doch über etwas anderes schreiben.

 

Ich habe - wie viele andere auch - eigene Fragen und Probleme, und ich bemühe mich, soweit das möglich ist, sie zu lösen. In meiner Freizeit aber denke ich über viele andere Dinge nach: Über das menschliche Leben, über das Glück, über meine Altersgenossen, die sehr weit weg von meiner Heimat leben, über ihr Land, das sich von unserem unterscheidet. Nachts schaue ich oft in den Himmel und dabei kommt mir der Gedanke, ob weit weg von uns Planeten existieren, auf denen Menschen leben? ... Mein Opa sagt, dass auch er in seiner Kindheit nachts den Sternenhimmel beobachtete und über dasselbe nachgedachte... Ich denke auch über meine Zeitgenossen nach, insbesondere auch über diejenigen, die in ihrem Leben mehr Leid als Freude erfahren haben. Ich wünsche mir sehr, dass es allen gut gehen möge, dass sie keine schweren Zeiten durchmachen und dass alle glücklich sind.

Herr Präsident, jedes Mal, wenn ich den Fernseher einschalte, wenn ich mir Zeitungen anschaue oder mir die Erzählungen der Erwachsenen anhöre, wundere ich mich. Denn ich erfahre immer wieder, dass Sie viel über Karabach reden und über einen Krieg. Und ich habe den Eindruck, dass Sie keine anderen Gedanken haben und über nichts Anderes nachdenken können. Es scheint mir so, als ob Sie keine andere Probleme haben und keinen anderen Herausforderungen entgegensähen. Dass es nichts gäbe in der Welt, dass Sie bewegt.

In meinem jungen Leben habe ich nie einen Azerbaidschaner gesehen, ich denke wenig über Sie und Ihr Land nach. Meine Eltern beschäftigen sich auch nicht mit Ihnen und Ihrem Land. Ich begreife nicht, was Sie von unserem Land wollen? Ich habe gehört, dass Sie nie hier in Arzach, in Karabach waren. Sie haben nie unser Kloster Gandzasar gesehen, unser Dadiwank, Amaras, aber Sie denken ständig darüber nach, wie Sie unser Land erobern könnten. Ich verstehe das nicht: Genügen Ihnen Ihre Ländereien nicht? Wozu brauchen Sie Karabach? Von meinem Opa habe ich erzählt bekommen, dass vor dem Krieg, sogar 50 oder 100 Jahre zuvor, als es hier noch Azerbaidschaner gab, dass sie ihre Toten nicht hier bei uns begraben wollten. Sie wurden nach ihrem Tod aus Karabach weggebracht und in ihrer echten Heimat bestattet. Denn sie wussten, dass dies nicht ihre Heimat ist, nicht ihr Land. Deswegen gibt es hier kaum azerbaidschanische Friedhöfe...

Mein Vater ist Kriegsveteran. Er hat an dem azerbaidschanisch-karabachischen Krieg teilgenommen. Ich selbst habe den Krieg nicht miterlebt. Doch aus den Erählungen der Erwachsenen weiß ich, dass Krieg schlecht und furchtbar ist. Und ich wünsche mir nicht, einen Krieg mitzuerleben. Und ich bin überzeugt, dass auch kein azerbaidschanisches Kind sich einen Krieg wünscht. Doch höre ich von den Erwachsenen ständig, dass wenn es wieder einen Krieg geben würde, würden sie wie zuvоr ihr eigenes Land verteidigen. Einer meiner Freunde sagt mir, dass wenn man ihm nicht erlauben würde, eine Waffe zu tragen, würde er - ähnlich wie der französische Gavroche - den Erwachsenen bei der Verteidigung unserer Heimat helfen. Ich selbst werde ebenfalls meinen Eltern helfen, soviel wie meine Kräfte ausreichen werden...

Von den Erwachsenen, von verschiedenen Leuten habe ich gehört, wie damals alles geschehen ist. Die Bewölkerung Arzachs ist friedlich auf die Strasse gegangen und hat demonstriert. Sie sagten, dass es ihr Wille sei, dass unser Arzach sich mit dem armenischen Mutterland vereinige. Denn Azerbaidschan war uns ein fremdes Land und 70 Jahre zuvor hat unser Herrscher namens Stalin unser Land mit Absicht Azerbaidschan zugeschlagen. Als Antwort darauf begannen Ihre Landsleute in Sumgait, in Kirovabad, in Baku und anderen Städten die Armenier zu töten und aus ihren Häusern und Wohnungen zu vertreiben. Und das genügte ihnen nicht. Ihr Vater, Herr Präsident, führte einen Krieg gegen meine Heimat Arzach. Und obwohl er sehr stark war, viele Soldaten und Panzer hatte, verlor er diesen Krieg.

Ich habe die Erwachsenen gefragt, wie es denn möglich ist, dass so ein Starker verliert, und sie haben mir geantwortet, dass wir unser Land verteidigten, unsere Heimat, die Azerbaidschaner aber griffen an, um unser Land zu erobern, um uns unser Leben und unsere Freiheit zu nehmen...

Wenn Sie erneut einen Krieg anfangen, um unser Land zu erobern, wird das gesamte armenische Volk aufstehen und ihre Heimat verteidigen. Doch bin ich überzeugt, dass, wenn Sie einen Krieg anfangen, Ihre Kinder, Ihre Verwandten und Freunde sich an diesem Krieg nicht beteiligen werden. In diesen Krieg werden Sie die einfache azerbaidschanische Jugend hineinschicken. Ich weiß auch, dass wenn es einen Krieg geben wird, viele von uns, auch Frauen und Kinder, sterben werden, viele Kinder werden zu Waisen. Aber in diesem Krieg werden auch viele tausende azerbaischanische Jugendliche sterben und viele azerbaidschanische Kinder werden ebenfalls zu Waisen werden. Wollen Sie das? Denken Sie deswegen jeden Morgen über den Krieg und die Eroberung Karabachs nach?

Warum kaufen Sie die ganze Zeit Waffen? Mit diesen Geldern könnten Sie doch ein solches Leben in Ihrem Land aufbauen, dass Ihr Volk (besonders die, die wegen des vorherigen Krieges, dass Ihr Vater angezettelt hat, zu Flüchtlingen wurden) glücklich lebe und keine Sorgen und Probleme habe. Ist das nicht besser, als Menschen an die Front zu schicken?

Ich wünsche mir sehr, dass Sie auf meinen Brief antworten und mir ehrlich sagen, warum Sie meine Heimat, die Ihnen nicht gehört, erobern wollen. Haben Sie nicht genug eigenes Land?

Adelina Awagimyan

13 Jahre alt

Republik Berg-Karabach

Stepanakert

10.08.2011

 

Aus dem Russischen übersetzt von Arthur Manukian  

Zuerst veröffentlicht am 11.08.2011 auf ИА Regnum (http://www.regnum.ru/news/1434497.html)

 

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19. Mai 2012 ab 17:00 Uhr

Gedenkveranstaltung an die Opfer des Genozids an den Pontosgriechen 1916-1923

Vortrag von Dr. Tessa Hofmann

Ort: Gesamtschule Ronsdorf, An der Blutfinke 70, 42396 Wuppertal

Veranstalter: Kulturverein der Griechen aus Pontos in Wuppertal und Umgebung

 
STUTTGART

19. Mai 2012 ab 16:00 Uhr

Schweigemarsch anlässlich des Gedenktages des Völkermords an den Pontos-Griechen

Start: Wilhelmsplatz 10, 70182 Stuttgart

Ziel: Kranzniederlegung am Stauffenbergplatz am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus

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DORTMUND

10. Mai bis 24. Juni 2012

„Der vergessene Völkermord“

Austellung mit Aufnahmen, die Armin T. Wegner von der Vertreibung und den Morden an den Armeniern machte

Ort: Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Steinstraße 50, Dortmund

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr

Eintritt ist frei!

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